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Historischer Hintergrund

 

Auszüge aus dem Bildband BHUTAN, Verlag EDITION PANORAMA, von Harald N. Nestroy

 

Von Padmasambhava bis Shabdrung Ngawang Namgyal

Die Frühgeschichte Bhutans kann nicht mit archäologischen oder schriftlichen Zeugnissen belegt werden, ist vielmehr eng verwoben mit buddhistischer Religion und Mythologie. Wie in anderen asiatischen Kulturen auch, sind frühe historische Fakten kaum zu trennen von Mythen und Legenden. In den Augen der Bhutaner waren Dämonen und Heilige oft weit wichtiger als weltliche Herrscher und buddhistische Mönche . Erst seit dem 16. und 17. Jahrhundert ist die Geschichte des Landes dokumentiert. Allerdings sind viele der Aufzeichnungen, die Hunderte von Jahren in den Dzongs, den hauptsächlich aus Bruchsteinen und Holz gebauten Klosterburgen, aufbewahrt worden waren, im 19. und 20. Jahrhundert zum Opfer von Bränden geworden. Neben den wenigen Schriftstücken, die daher in Dzongs und Tempeln überlebt haben, stammen unsere Informationen über die Frühgeschichte Bhutans hauptsächlich aus Legenden und volkstümlichen Erzählungen oder aus den Berichten der britischen Entdeckungsreisenden, die das Land vom 18. Jahrhundert an besucht haben.

Eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte Bhutans war die Ankunft des heiligen tibetischen Lama Padmasambhava (der Lotusgeborene) im achten Jahrhundert, auch als Guru Rimpoche verehrt. Er war der Gründer des Ningma-po Mönchsordens. Unter seinem Einfluss verbreitete sich der tantrische Mahayana Buddhismus und löste die archaische Bon Religion ab, die vor dem Aufkommen des Buddhismus die Hauptreligion im Himalaja gewesen war. Im 13. Jahrhundert führte Phajo Druk-Gom Shigpo, ein Lama des Ralung Klosters in Tibet, die Druk-pa-Kagyü Lehre des Buddhismus ein. Yeshey Dorji, der Gründer von Ralung, hatte Druk (den Drachen) gewählt, seine neue Mönchsordnung zu symbolisieren. Während der Weihung eines wichtigen Klosters hatte er derartige mythische Geschöpfe am Himmel fliegend beobachtet. Druk-pa-Kagyü stieg schnell zum wichtigsten Glauben in Bhutan auf und Druk wurde als Segenbringer zum festen Bestandteil des Landesnamens, der Bezeichnung seiner Bewohner und des Königs; bis in unsere Tage ist das so geblieben, wie der Name der bhutanischen Fluggesellschaft zeigt – sie heißt Druk Air.

Bis zum 16. und 17. Jahrhundert war Bhutan ein zusammengewürfeltes Gemenge vieler kleiner Fürstentümer; fast jedes größere Tal dieses gebirgigen Landes wies ein eigenes auf. Diese Landesherren verwandten einen Großteil ihrer Energie und ihrer Ressourcen darauf, um sich untereinander oder mit tibetischen Nachbarn zu bekriegen. Eine Vielzahl von Klöstern wetteiferte weniger um die spirituelle als um die weltliche Herrschaft über die Bauern, vor allem um die Kontrolle über Steuereinkünfte.

Im Jahre 1616 traf ein weiterer Lama vom tibetischen Ralung Kloster in Bhutan ein; damit sollte sich sich die Situation grundlegend ändern. Ngawang Namgyal (1594-1651) war ein Nachkomme des Gründers von Ralung und galt als Reinkarnation von Pema Karpo, dem heiligen Fürst-Abt von Ralung. Einem Abt des neuen Ordens der Gelben Hüte, der Gelug-pa mit dem Dalai Lama als Oberhaupt, war es gelungen, Ngwang die Herrschaft über Ralung zu entreißen. Viele Druk-pa Lamas waren vor den Angriffen der Rivalen geflohen, unter ihnen Ngawang. Er war erst 23 Jahre alt, als ihm die mächtige Gottheit Mahakala oder Yeshey Goenpo in der Gestalt eines Raben erschien. Mahakal befahl ihm, nach Bhutan zu gehen und dort den Buddhismus zu lehren. Dadurch wurde der Rabe zum heiligen Symbol, das in die Krone der Könige von Bhutan, die Rabenkrone, eingefügt wurde.

Durch den mitreißenden Erfolg seiner Predigten in jedem Dzong und Dorf des westlichen Bhutan wuchs Ngawangs spirituelle und politische Macht. Nachdem er sich die Unterstützung der wichtigsten aristokratischen Familien gesichert hatte, begann er mit dem Aufbau einer landesweiten Machstruktur. Mit unermüdlichem Eifer ging er daran, eine Kette großer Dzongs (Kloster-Burgen) in den Haupttälern des westlichen Bhutans zu errichten, die er zu Zentren seiner religiösen und weltlichen Macht ausgestaltete. Allerdings hatte er auch hierbei mit Rivalen zu kämpfen. Einer von ihnen wandte sich an den König von Tsang in Tibet, um mit dessen militärischer Unterstützung den Eindringling zu stürzen. Doch im Jahre 1639 gelang es Ngawang, den Herausforderer und seine tibetischen Verbündeten vernichtend zu schlagen. Nach diesem großen Sieg nahm er den eindrucksvollen Titel eines „Shabdrung“ an, was „kostbarer Juwel, vor dessen Füße man sich wirft“ bedeutet; damit begründete er das erbliche System der Shabdrungs in Bhutan. Als sowohl religiöser wie weltlicher Herrscher von Bhutan führte Ngawang ein zweigliedrige theokratische Regierung ein. Ein Oberster Abt, der Je Kempo, verwaltete die religiösen Institutionen, ein hoher Beamter mit dem Titel Druk Desi – oder Deb Raja, wie die britischen Reisenden ihn nannten – bekleidete das höchste weltliche Amt. Ngawang teilte das Land auf in Verwaltungsbezirke, die jeweils von einem Penlop (Prinz-Governeur) regiert wurden, während Dzongpons lokale Verwaltungsaufgaben übernahmen. Zum ersten Mal wurde ein umfassendes Rechtssystem kodifiziert.

Die erfolgreiche Abwehr einer Invasion tibetisch-mongolischer Truppen in Bhutan in den Jahren 1644 und 1647 schloss die Bhutaner enger zusammen. Als der Shabdrung im Jahre 1651 starb, stand der größte Teil Bhutans unter der Kontrolle einer Zentralregierung, die fünf Jahre später auch auf den östlichen Teil des Landes ausgeweitet wurde.

Im Laufe eines vielschichtigen Machtspiels wurde der Tod des Shabdrung mehr als 50 Jahre lang geheim gehalten, weil die weltlichen und religiösen Machthaber sich nicht auf einen Nachfolger einigen konnten. Doch sofort nach Bekanntgabe seines Todes im Jahre 1705 brachen Bürgerkriege aus, die von rivalisierenden Prinzen angezettelt wurden, um ihren Anspruch auf das Amt des Shabdrung durchzusetzen. Mehr und mehr dieser Penlops rissen die Macht über ihre Region an sich; die Einheit des Landes zerfiel in den Kriegen, die sie gegeneinander führten. Diese chaotische Situation hielt bis in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts an.

 

Bhutan und Britisch Indien

Der Niedergang von Indiens Mogul Dynastie im späten 18. Jahrhundert hatte Bhutan die Gelegenheit verschafft, seinen südlichen Nachbarn, die indische Provinz Cooch Behar, fast vollständig unter seine Kontrolle zu bringen. Bhutan hatte die elf duars (Tore) besetzt und befestigt, die den Zugang zu den landwirtschaftlichen Flächen an den Grenzen und in den Ebenen von Bengal und darüber hinaus beherrschten. Ein Zusammenstoß mit der britischen East India Company war unvermeidlich. Um die Bhutaner zu vertreiben, rief Khagenda Narayan, der den Thron von Cooch Behar für sich beanspruchte, die Engländer zu Hilfe. Eine kleine britische Streitmacht wurde entsandt; im Dezember 1772 gelang es ihr trotz schwerer Verluste, die bhutanischen Streitkräfte aus Cooch Behar zu vertreiben und zwei bhutanische Stellungen im Vorgebirge einzunehmen (Januar und April 1773). Besorgt über diese unerwartete Niederlage bat Tshenlop Kunga Richen, der Deb Raja von Bhutan, den Panchen Lama von Tibet darum, beim englischen Gouverneur von Indien, General Warren Hastings vorstellig zu werden. Daraus folgte ein Friedensvertrag zwischen Indien und Bhutan, der am 25. April 1774 in Kalkutta unterzeichnet wurde. Darüber hinaus jedoch war Hastings von da an entschlossener denn je, den britischen Einfluss über Bhutan hinaus auf Tibet und das sagenhafte Land China auszudehnen, das sich bisher jeglichem Zugriff des Westens entzogen hatte.

Hastings ging umgehend daran, die erste britische Delegation nach Tibet zu entsenden. Ab Mai 1774 verbrachte George Bogle, ein Offizier im bengalischen Verwaltungsdienst, viele Wochen in der bhutanischen Hauptstadt Thimphu, um die Genehmigung für die Weiterreise nach Tibet auszuhandeln. Sein offizieller Bericht, der in einer Fußnote erwähnt, dass Tee in Bhutan als universelles Erfrischungsgetränk gereicht wird, führte zur Errichtung von Teeplantagen in Nord-Indien. Die nachfolgenden Missionen nach Bhutan wurden von Alexander Hamilton (1776-1777) und Kapitän Samuel Turner (1783) geleitet; sie sollten neben einer Verbesserung der Handelsbeziehungen zwischen Bengal, Bhutan und Tibet auch Grenzstreitigkeiten schlichten. Danach brachen allerdings die britisch-bhutanischen Kontakte für mehr als 50 Jahre ab.

Mittlerweile hatten die Bhutaner ihre Aufmerksamkeit auf Assam gerichtet, das an die östliche Hälfte von Bhutan angrenzte. Während das Königreich von Ahom in Assam auseinander fiel, hatte Bhutan die sieben duars zu den Ebenen des Brahmaputra annektiert. Mittlerweile war es den Briten infolge des burmesischen Krieges von 1825/26 gelungen, Assam unter ihre Kontrolle zu bringen. Die duars, die den Zugang zu fruchtbarem Ackerland beherrschten, waren von großem Interesse für die Briten, besonders für ihren vielversprechenden Teeanbau. Nach einer Reihe von Kämpfen in den Jahren vor 1841 hatten die Engländer alle duars von Assam erobert; sie erklärten sich jedoch schließlich bereit, jährliche Kompensationen in Höhe von 10.000 Rupien zu zahlen, um Bhutan für seinen Gebietsverlust zu entschädigen. Trotz dieser Übereinkunft waren die darauf folgenden 20 Jahre geprägt von ständigen Grenzkonflikten, die zum zweiten anglo-bhutanischen Krieg ausarteten. Von November 1864 an griffen britische Einheiten die bhutanischen Befestigungen der bengalischen duars an, bis diese sich im März 1865 allesamt in ihrer Hand befanden. Im Vertrag von Sinchula vom 11. November 1865 gab Bhutan jeden Anspruch auf die 18 duars nach Bengal und Assam gegen eine jährliche Entschädigung von 50.000 Rupien auf. Der Vertrag vereinbarte Frieden und Freundschaft zwischen den Unterzeichnenden und darüber hinaus - das war das wichtigste Anliegen der Briten - offenen und zollfreien Handel zwischen den beiden Seiten.

 

Der erste Drachenkönig von Bhutan

In den zwei Jahrzehnten, die auf diesen Vertrag von Sinchula folgten, wurde die Zentralregierung von Bhutan immer schwächer. Mörderische Konflikte unter den Penlops, den regionalen Herrschern, häuften sich. Obwohl der Form nach die höchste Instanz der Macht, erwies sich nach dem Tod ihres Gründers die Institution des Shabdrung als schwach. Nachfolger wurden nach dem Prinzip der Wiedergeburt ausgewählt, zumeist Knaben im Alter zwischen zwei und vier Jahren. Bis zur Volljährigkeit des neuen Shabdrung übte jeweils einer der Penlops die Herrschaft für diesen aus.. Der zu erwartende Machtmissbrauch dieser Regenten schwächte das Land immer weiter. Die Machtkämpfe spielten sich vor allem zwischen den zwei Fraktionen des Penlops von Paro und von Trongsa ab, die Anfang des 20. Jahrhunderts zu den wichtigsten politischen Führern in Bhutan wurden.

Die innere Machtzerfall in Bhutans weckte die Besorgnis der anglo-indischen Regierung. Denn mit der Ausdehnung des britischen Empire auf dem Subkontinent wurde eine Frage immer wichtiger: Würde Bhutan sich mit British-Indien, seinem neuen, mächtigen Nachbarn an seiner Südgrenze arrangieren, oder aber seine traditionelle Verbindung mit Tibet aufrecht erhalten, das jetzt weitgehend unter dem Einfluss von China stand? Für einige Zeit gelang Bhutan ein Balance-Akt, doch im Jahre 1903 spitzte sich die Lage zu. Der Vizekönig von Indien, Lord Curzon, wurde in das „Great Game“ zwischen Russland und Großbritannien verwickelt: Um die russische Expansion zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaukasus, nach Turkmenistan und womöglich nach Tibet hinein zu verhindern, hielt es Curzon für unumgänglich, Tibet bis zu einem gewissen Grad unter britische Kontrolle zu bringen. Daher entsandte Curzon ein starkes Expeditionscorps unter dem Kommando von Oberst Francis Younghusband nach Lhasa.

Der Penlop von Paro war entschlossen, die traditionelle Nähe zu Tibet auszubauen und bezog damit Stellung gegen Britisch-Indien. Ugyen Wangchuck, der Penlop von Trongsa, bot Curzon hingegen seine Dienste als Vermittler und Übersetzer zwischen Younghusband und dem Dalai Lama an. Er begleitete die Expedition nach Lhasa. Aus zwei blutige Zusammenstössen zwischen dem britischen Corps und der tibetischen Armee gingen die Engländer siegreich hervor. Dennoch waren die vorsichtigen Verhandlungen Ugyen Wangchucks mit dem Regenten und dem Tshogdu, der Versammlung der Mönche (der Dalai Lama war geflohen) von Erfolg gekrönt: Im Jahre 1904 wurde ein neuer britisch-tibetischer Vertrag unterzeichnet. Er bestätigte das vorhergehende Abkommen und erweiterte es um die Vereinbarung bevorzugter Handelsbeziehungen zwischen Britisch-Indien und Tibet. Dieser offensichtliche Erfolg und die daraus folgende Unterstützung durch die Engländer stärkte die Position des Penlop von Trongsa in Bhutan. John Claude White vom politischen Dienst des Vizekönigs, ein außerordentlich fähiger Diplomat, der auch an der Expedition nach Lhasa teilgenommen hatte, wurde nach Bhutan entsandt. Er leistete einen entscheidenden Beitrag zu den Verhandlungen, die dazu führten, dass die Penlops und Äbte einer Umwandlung Bhutans in ein Erbkönigreich zustimmten. Am 17. Dezember 1907 wurde Ugyen Wangchuck, der Penlop von Trongsa, zum ersten Druk-Gyalpo, zum Drachenkönig von Bhutan gewählt. Unter seiner entschlossenen Führung kam das Land schließlich zu einer bis dahin ungekannten inneren Ruhe und zu einer fruchtbaren Beziehung mit Britisch-Indien.

Gleichzeitig verstärkte nun China seine Versuche der Einflussnahme in Bhutan. Immer lauter wurden Pekings Behauptungen, Anrechte auf Bhutan zu besitzen. Als Antwort entschied sich der Vizekönig von Indien, eine Blockadepolitik einzuleiten, um dieser Bedrohung britischer Interessen zu begegnen. Der politische Offizier C.A. Bell wurde von in Sikkim nach Punakha entsandt (der bhutanische König hatte seinen dauerhaften Aufenthalt innerhalb Bhutans abgelehnt), um einen neuen Vertrag mit dem Druk-Gyalpo auszuhandeln. Dieser Vertrag wurde am 8. Januar 1910 unterzeichnet. Er sah de facto die vollständige Kontrolle der bhutanischen Außenpolitik durch die indische Regierung vor, enthielt dafür aber die Zusicherung der Briten, sich nicht in innere Angelegenheiten Bhutans einzumischen; mit 100.000 Rupien wurden die jährliche Entschädigung an Bhutan zudem auf das Doppelte erhöht.

Bell war zufrieden und schrieb: “Wir haben die chinesische Bedrohung 220 Meilen vor einer sehr verwundbaren Grenze aufgehalten.“ Dessen ungeachtet beanspruchte Peking 1911 offiziell Bhutan (wie auch Nepal) als Vasallenstaaten. China rechtfertigte seine Ansprüche mit früheren Kontakten zwischen Bhutan und dem Amban (dem offiziellen Vertreter Chinas) in Lhasa: Geschenke, die bhutanische Besucher ihm in Lhasa übergeben hatten, wurden als Tributzahlungen eines Vasallenstaates ausgelegt; die Entgegennahme eines chinesischen kaiserlichen Siegels, das nach Punakha gesandt worden war, wurde als Anerkennung chinesischer Herrschaftsansprüche gedeutet. Peking schickte jetzt sogar einen offiziellen Brief an Ugyen Wangchuck, in dem er nur als Penlop von Trongsa angeredet, sein neuer Status als Druk Gyalpo von Bhuan jedoch ignoriert wurde; der beleidigende Brief unterrichtete ihn über die Absicht, chinesische Truppen in Bhutan zu stationieren. Dies war die erste Gelegenheit des Königs, einen deratig politischen Vorgang Bell als politischem Offizier zu unterbreiten. Bell riet ihm umgehend, überhaupt nicht zu antworten. Für einige Zeit wurde die chinesische Bedrohung gegenstandslos, da die Chinesen nämlich im Jahre 1912 nach einem erfolgreichen Aufstand der Tibeter aus Tibet vertrieben wurden. Andererseits betonte jedoch zur gleichen Zeit die britisch-indische Regierung in einem Geheimbericht an das Kolonialamt in London, „dass Bhutan einer der Eingeborenenstaaten von Britisch-Indien ist, und damit dem Herrschaftsanspruch der Regierung Seiner Majestät des Königs von England unterliegt.“

 

Bhutan und seine Nachbarn

Die Beziehungen zwischen der britischen Krone und Bhutan blieben freundlich und fruchtbar – auch während der Regierungszeit des zweiten Königs, Jigme Wangchuck (seit 1926) - bis zur Unabhängigkeit Indiens im Jahre 1947. Durch geschickte Diplomatie erreichte Bhutan, dass die neue indische Regierung Bhutan als unabhängigen Staat anerkannte. Ein indo-bhutanisches Abkommen, das den Text des Vertrags mit der anglo-indischen Regierung von 1910 nahezu unverändert übernahm, wurde 1949 unterzeichnet. Indien verpflichtete sich darin, sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Königreichs einzumischen; Bhutan stimmte der ausschließlichen Vertretung seiner äußeren Angelegenheiten durch Neu-Delhi zu. Der Neuabschluss diese Vertrages mit dem Giganten Indian hat viel dazu beigetragen, Bhutans Unabhängigkeit bis zu dem heutigen Tag aufrecht zu erhalten, wie begrenzt diese Unabhängigkeit facto de auch in gewissem Maße sein mag.

Der Aufstand gegen die Chinesen in Ost-Tibet im Jahre 1958 erschütterte den ganzen Himalaja mit einem politischen Erdbeben. Die Rebellen nisteten sich in der Nähe der bhutanischen Grenze ein. Premierminister Nehru befürchtete eine chinesischen Invasion Bhutans; mit einem offiziellen Besuch des Königreichs unterstrich er die „besonderen Beziehungen“ zwischen Indien und Bhutan. In der Folge dieses Besuchs begann die indische Regierung ein umfangreiches Programm von Entwicklungshilefe für Bhutan, das von strategischen Überlegungen geleitet war. Es beinhaltete u.a. den Bau militärisch wichtiger Straßen. Während des Aufstands, der ganz Tibet in den folgenden Jahren erschütterte, und der Grenzstreitigkeiten zwischen Indien und China drangen chinesische Streitkräfte wiederholt in buthanisches Hoheitsgebiet ein. Gleichzeitig wurden in Peking (Beijing) die chinesischen Herrschaftsansprüche über Bhutan wieder lauter. Dies führte zu einer noch deutlicheren Anlehnung Bhutans an Indien, die bis heute anhält. Dies zeigt sich unter anderem in der Ausbildung der königlichen bhutanischen Armee durch eine ständige indische Ausbildungseinheit und die Stationierung indischer Truppen und Militärberater in Bhutan.

Die Entwicklungen in Tibet seit 1959 überzeugten den dritten König, Jigme Dorji Wangchuck, dass die Zeiten der Jahrhunderte alten, selbst gewählten Isolation Bhutans vorüber waren. Er begann eine vorsichtige Politik der Öffnung des Königreichs für die Außenwelt. Der vierte König, S.M. Jigme Singye Wangchuck, führte diese Politik fort, als er seinem Vater im Jahre 1972 auf den Thron nachfolgte.
Um nicht in internationale Streitigkeiten hineingezogen zu werden, ging Bhutan bei seiner Aufnahme bilateraler diplomatischer Beziehungen vorsichtig vor. Insbesondere sollte das hervorragende Verhältnis zu Indien nicht gestört werden, mit dem Bhutan seit seiner Aufnahme in die Vereinten Nationen im Jahre 1971 formelle diplomatische Beziehungen unterhält. Bhutan hat sich dafür entschieden, vorläufig keine formellen diplomatischen Beziehungen mit den ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates aufzunehmen. Es unterhält jedoch volle diplomatische Beziehungen zu allen Mitgliedern der Südasiatischen Gemeinschaft für Regionale Zusammenarbeit (SAARC), einschließlich Pakistans, sowie zu einigen asiatischen und kleineren europäischen Ländern.

Obwohl zwischen Bhutan und China keine offiziellen diplomatischen Beziehungen bestehen, wurden seit 1984 immer wieder Gespräche über den Verlauf der chinesisch (tibetisch) - bhutanischen Grenze geführt. Offiziell erhebt keine Seite Ansprüche auf umstrittene Gebiete. Die beeindruckende bhutanische Diplomatie hat es verstanden, jede Reibung mit China zu vermeiden, ohne die Rechte ihres Landes dafür zu opfern.

Seit 1989 sind die Beziehungen mit Nepal und in einem gewissen Maß auch mit der internationalen Gemeinschaft durch das Problem bhutanischer Flüchtlinge nepalesischer Herkunft belastet. Dazu kommen illegale nepalesische Einwanderer, die von Bhutan ausgewiesen wurden und jetzt in Lagern leben, die vom Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen auf nepalesischem Staatsgebiet betrieben werden. Bhutan hat wiederholt zugesichert, dass es alle Flüchtlinge wieder aufnehmen wird, die nachweisen, dass sie die Voraussetzungen der bhutanischen Staatsbürgerschaftsgesetze erfüllt hatten, bevor sie Bhutan verließen.

 

Von der absoluten zur konstitutionellen Monarchie

Priorität der ersten Könige Bhutans war, die Einheit des Landes zu sichern, eine starke zentrale Amtsgewalt zu errichten. Mit der Thronbesteigung von S.M. Jigme Dorji Wangchuck als 3.“Drachenkönig“ oder Druk Gyalpo im März 1952 begann eine neue Ära in der Geschichte Bhutans. Ausweitung staatlicher Verwaltungsstrukturen und Modernisierung der Gesellschaft selbst hatten Vorrang. Der 3. König schaffte die Leibeigenschaft ab, leitete 1965 die Bodenreform ein. 1968 rief er den Ministerrat ins Leben, danach einen Obersten Gerichtshof. Bestehende Gesetze wurden kodifiziert. Eine Nationalversammlung, die Tshogdu, als Vorläufer eines Parlamentes mit rudimentären legislativen Funktionen, wurde geschaffen. Bis Anfang 2008 zählte sie 154 Mitglieder: 38 hochrangige Verwaltungsbeamte (darunter die 10 Minister), 10 Repräsentanten der Mönchsgemeinschaft, 6 Mitglieder des Königlichen Rates und 100 Volksvertreter, die von den Dorfvorstehern und anderen lokalen Würdenträgern ernannt wurden.

Nach westlichem Verständnis war die Tshogdu noch kein demokratisches Parlament; ihre Mitglieder gingen nicht aus allgemein, freien Wahlen hervor. Auch gab es keine politischen Parteien. Dennoch war die Tshogdu in ihren letzten Jahren eine recht starke Institution geworden. So wurde ihr 1998 auf Betreiben des 4. Königs, S.M. Jigme Singye Wangchuck, auf dem Thron seit 1972, das Recht übertragen, die Minister zu ernennen. Zum Entsetzen vieler Bhutaner setzte der überaus beliebte 4. Druk Gyalpo durch, dass die Tshogdu von nun an die Könige zur Abdankung zwingen konnte. Gleichzeitig verzichtete der König auf seine de facto Rolle als Regierungschef; der Ministerrat wurde gestärkt, das Amt des Premierministers eingeführt, jedes zweite Jahr wählte die Tshogdu nach Rotationsprinzip aus den Reihen der Minister einen neuen Premier. Der 4. Druk Gyalpo hatte mit diesen Schritten seinen zuvor allmächtigen Status auf die Rolle eines Staatsoberhaupts ähnlich der englischen Königin reduziert.

Doch das größere Ziel des 4. Königs war die Überführung Bhutans in die parlamentarische Demokratie im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie. Auf seine Initiative hin wurde seit 2003 an einer modernen Verfassung gearbeitet. König und Kronprinz reisten seit Fertigstellung des Entwurfs März 2005 unermüdlich kreuz und quer durchs Land, bis in die entlegensten Dörfer: sie klärten das Volk über die kommende Verfassung auf, um es auf die Demokratie, auf die ersten allgemeinen Wahlen vorzubereiten. Die Verfassung wurde im Juni 2008 vom neuen Parlament einstimmig verabschiedet.

Die ersten Parlamentswahlen am 24. März 2008 erfreuten sich einer Rekord-Beteiligung von fast 80%. Die „Harmonie-Partei Bhutans“ (Druk Phuensum Tshogpa - DPT) errang 45 von 47 Parlamentssitzen. Die Oppositionspartei „Demokratische Volkspartei“ (Democratic People’s Party – DPD) konnte aufgrund des reinen Mehrheitswahlsystem trotz 33% der Wählerstimmen nur zwei Abgeordnete in das neue Parlament entsenden. Die neue Regierung trat ihr Amt am 9. April 2008 an. Der erste demokratisch gewählte Premier Minister Bhutans, Jigmi Y. Thinley, hat sich die Integration der süd-bhutanischen Bürger nepalischer Abstammung als eines der hochrangigen Ziele gesetzt. Zwei seiner 10 Minister sowie der Vize-Präsident des Parlaments gehören dieser Volksgruppe an.
Der 4. Druk Gyalpo hatte bereits 2005 seine Entscheidung kund getan, vor dem historischen Wandel zur konstitutionellen Monarchie zurückzutreten. Doch verblüffte er sein Volk, als er schon am 14. Dezember 2006 das königliche Amt seinem Sohn, S.M. Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, übertrug.

Dessen feierliche Krönung folgte 2008, dem Jubiläumsjahr „100 Jahre Wangchuck Monarchie“. Sie bestand aus zwei Teilen: der spirituell-religiösen und der formalen, eher staatsrechtlich zu nennenden Krönung.
Die Astrologen, hochrangige Lamas, hatten nach langer Forschung den 1. und den 6. November 2008, im bhutanischen Kalender der 8. und der 13. Tag des 9. Monats des Erd-Ratten-Jahres, als die größtes Glück verheißenden Tage für die beiden Zeremonien errechnet. Diese für das Land überaus bedeutsame Krönung wurde in traditioneller Pracht bhutanischer Kultur durchgeführt; die erstere fand im Dzong von Punakha statt, die zweite im Dzong der Hauptstadt Thimphu, dort gefolgt von hinreißend farbenfrohen Veranstaltungen im mit 45.000 Bhutanern weit überfüllten Nationalstadium. Die Begeisterung, Freude, Ergriffenheit, mit der abertausende Bhutaner die Krönungsfeierlichkeiten begleiteten, machten deutlich, dass S.M. Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, der 28 Jahre junge 5. Druk Gyalpo, in der Mitte und in den Herzen seines Volkes „angekommen“ ist.

 

Bildung, Gesundheit, Wirtschaft

Seit den 60er Jahren zählt Bildung zu den höchsten Prioritäten der bhutanischen Regierung. Bis dahin war das Schulwesen allein in der Hand der Klöster. Danach wurden in schneller Folge staatliche Schulen gebaut, die jetzt im ganzen Land vorhanden sind. Dazu kamen zwei Colleges und eine pädagogische Hochschule zur Lehrerausbildung. Die Königlich Bhutanische Universität wurde im Juni 2003 eröffnet. Das Bildungssystem wird vom Staat betrieben und ist für alle kostenlos. Die Klosterschulen haben ihre Lehrpläne erweitert, um auch sozialen Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Auf Betreiben des Königs erhalten alle Schülerinnen und Schüler nicht nur Unterricht in Grundwissen, sondern auch in einem Handwerk. Die Unterrichtssprache ist Englisch, wobei Dzongkha jedoch für alle Schüler verpflichtend ist. Neben Unterricht in modernen Fächern wird großes Gewicht gelegt auf die Erhaltung bhutanischer Kultur und Traditionen, der Literatur und Künste, der Architektur, Sprache und Gebräuche.

Bei der Ausweitung und Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens, das für alle kostenlos ist, konnten im vergangenen Jahrzehnt eindrucksvolle Fortschritte verzeichnet werden. Bestehende Krankenhäuser wurden erweitert, neue Kliniken gebaut. Gesundheitsstationen in den ländlichen Gebieten, die zum großen Teil nicht durch motorisierte Fahrzeuge erreichbar sind, wurden verbessert, ihre Anzahl vergrößert. Die Zahl von Ärzten, Sanitätern und Gesundheitspersonal wurde beträchtlich gesteigert. Das Ergebnis ist eine eindrucksvolle Verbesserung der Volksgesundheit und der Lebenserwartung.

Gemessen am Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt wird Bhutan zu den ärmsten Ländern der Welt gezählt. Aber Armut ist relativ und Bhutan sollte in dieser Hinsicht mit anderen wirklich sehr armen asiatischen Ländern verglichen werden. Die meisten Bhutaner gehören noch immer zu Bauernfamilien und kennen keinen Hunger. Statistiken zeigen zudem nicht das ganze Bild, da viele der Waren und Dienstleistungen, die in den ländlichen Gegenden hergestellt und getauscht werden, sich nicht im Geldsystem abbilden. Es trifft allerdings zu, dass Landwirtschaft und Viehzucht noch die Lebensgrundlage des größeren Teils des ländlichen Bhutan bilden; sie kommen weitgehend noch nicht über Selbstversorgung hinaus und schaffen noch keinen Überschuss für Geldeinkommen.

Forstwirtschaft ist wichtig in einem Land, dessen Terrain zu mehr als 60 Prozent von Wäldern bedeckt ist. Sie ist gänzlich vom Staat kontrolliert als Teil einer vorbildlichen, weltweit anerkannten nationalen Umweltpolitik. Angesichts der unbegrenzten Nachfrage aus Indien und zum Schutz der bhutanischen Holzindustrie wurde 1999 die Ausfuhr von Rohholz ganz eingestellt.

Bhutans Wasserkraft-Potenzial, das sogn. ‚weiße Öl’’, ist der wichtigste Einzelfaktor in der Ökonomie des Landes. Man schätzt es auf über 30.000 Megawatt, aber nur ein Bruchteil davon wird bisher tatsächlich genutzt. Bei einem Export, gegen indische Rupien, von über 90% der produzierte Elektrizität nach Indien stellt es die größte Einkommensquelle der Regierung. Doch profitiert auch die bhutanische Bevölkerung von der Produktion von Elektrizität; schon sind weit über 50% der bhutanischen Haushalte an das Stromnetz angeschlossen. Als Devisenbringer ist der Tourismus der wichtigste Bereich, sein Wachstum ist nachhaltig.

In seinen internationalen Handelsbeziehungen ist Bhutan hauptsächlich auf Indien angewiesen. Der weitaus größte Teil der Importe kommt aus Indien. Deutschland, Japan, Großbritannien, USA haben bescheidene Importanteile. 97 Prozent von Bhutans Exporten gehen nach Indien; Elektrizität macht davon rund 60 Prozent aus. Andere Exporte, vor allem von landwirtschaftlichen Produkten, gehen nach Bangladesh und Thailand.

Im Rahmen einer Währungsunion ist die bhutanische Währung, Ngultrum, im Verhältnis von 1:1 an die indische Rupie gekoppelt. Daher hat Bhutan nur sehr wenig Spielraum für eine unabhängige internationale Währungspolitik. Die bhutanische Regierung betreibt eine konservative Fiskalpolitik, indem sie das jährliche Haushaltsdefizit auf 3,5 Prozent begrenzt.